Am vorletzten Tag unseres Beijing Aufenthaltes machten wir uns dann auf den Weg zur Great Wall. Wir hatten uns dazu entschieden die Mauer ohne Guide zu erkunden, somit mussten wir auch eigenständig nach Badaling fahren. Wir entschieden uns den Zug zu nehmen. Die Tickets (erste Klasse) kosteten gerade mal 17 Yuan pro Person, also keine 2 €. Die Züge in China sind sehr geräumig, die Sitze können in eine leichte Liegeposition verstellt werden, in dieser Hinsicht könnte sich die deutsche Bahn mal eine Scheibe abschneiden. Das Beste war der Hebel, den wir nach kurzer Zeit entdeckten, mit dem man die komplette Sitzbank um 180 ° drehen konnte. Keiner musste also mit dem Rücken zur Fahrtrichtung fahren. Manchmal hat der Chinese halt doch ausgefuchste Ideen.
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| Dort sollte es hinauf gehen... |
In Badaling angekommen merkten wir erst ein mal, wie kalt es dann doch in China seien kann. Es wehte ein eisiger Wind. Dummerweise hatte ich auch noch meinen Schal vergessen, so dass ich einen der zahlreichen Touristen-Shops aufsuchen musste um für Ersatz zu sorgen. Da mir die angebotenen Schäle zu teuer waren kaufte ich mir eine, meinem Outfit entsprechende, (Kunst)-Pelzmütze, die zufälligerweise auch noch einen Kommunistenstern auf der Stirn hatte. Diese Mütze sollte im weiteren Tagesverlauf noch eine größere Rolle spielen.
Am Eingang zur Mauer konnten wir zum ersten Mal unsere internationalen Studentenausweise benutzen um die Hälfte des Eintrittspreises erstattet zu bekommen. Wir haben extra unseren Aufenthalt in Beijing um einen Tag verlängert, da man beim Besuch der Mauer gutes Wetter haben muss um etwas von der Landschaft sehen zu können. An diesem Tag wurden wir mit Sonnenschein dafür belohnt, gleichzeitig sorgte der Wind dafür, dass kein Smog zu sehen war. Die Landschaft um die Mauer herum war jedoch sehr grau, da der Frühling hier noch nicht richtig angefangen hat.
Wir begannen mit unserem Anstieg zu dem 8.-höchsten Turm der Mauer, es ist der höchste für Touristen begehbare Abschnitt der Mauer, was wir dann auch schnell merkten. Manche Abschnitte waren selbst für unsere langen, europäischen Beine eine Hürde. Auf unserem Weg sahen wir einige alte Menschen und Kinder für die es eigentlich noch anstrengender seien musste. Aber auch sie meisterten ihren Weg, was uns natürlich anspornte nicht schlapp zu machen. Bei unseren kurzen Pausen (man kommt wirklich ins Schwitzen und man freut sich über jedes windstille Plätzchen) genossen wir die unglaubliche Aussicht über das Umland. Durch die günstigen Wetterbedingungen konnte man gefühlte 500km weit schauen, man sah sogar das mongolische Hochland. Man muss es sagen, der Chinese hat anscheinend beim Bau der Mauer ein bisschen nachgedacht, denn eine anrückende Armee sah man, bei diesen Bedingungen, schon mehrere Tage im voraus.
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| Klickt man auf die Bilder kann man sie in voller Größe sehen |
Kommen wir nun aber zu der besagten Mütze. Ungefähr bei der Hälfte des Anstieges ging es los. Viele Chinesen (ebenfalls Touristen aus anderen Teilen Chinas) drehten sich beim vorbeigehen um und begutachteten uns. Kleine Kinder zeigten auf uns und sahen uns mit großen Augen an. Auf der Mauer waren wir definitiv die Exoten schlecht hin. Als wir dann eine kurze Rast gemacht haben, kam eine chinesische Familie zu uns und fragte, ob sie ein Bild mit uns machen dürfte. Wir willigten natürlich ein. Wir waren jedoch überrascht als immer mehr Chinesen ankamen und sich mit uns Verewigen lassen wollten. Durch mein oliv- und beigefarbenes Outfit, meiner verspiegelten Fliegerbrille und der Kommunistenmütze war ich die Attraktion schlecht hin, „el Comandante“ in Person. Abschließend kann man dazu nur sagen, dass wir bestimmt in 20 Familienalben zu sehen seien werden. Leider kam uns die Idee, einen kleinen Obolus für jedes Bild zu nehmen, zu spät ;)
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| Die besagte Mütze, im Hintergrund sieh man den Verlauf der Mauer |
Schließlich erreichten wir unser Ziel. Wir machten ein paar Bilder und bewunderten die weitreichende Landschaft. Es erfüllte uns eine gewisse Zufriedenheit, der Weg war unser Ziel. Erstaunlich was von Menschenhand alles erschaffen werden kann. Die Mauer schlängelte sich durch die ganze Landschaft, Berg rauf, Berg runter...
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| Man beachte den steilen Abstieg |
Der Abstieg war dann weniger anstrengend, jedoch umso gefährlicher, die zum Teil sehr steilen Treppen und Schrägen genossen unseren vollsten Respekt. Als mir dann noch die Verschlussklappe des Kameraobjektivs runterfiel glaubte ich sie schon verloren. Sie landete natürlich genau auf ihrer Kannte und rollte die Mauer runter, wie in einem schlechten Film. Wirklich hinterher rennen konnte ich auf Grund der Schräge nicht, ansonsten wäre ich kurze Zeit später auch die Mauer runter gerollt. Allerdings bemerkte ein Chinese den wild hinterherlaufenden Westler und hielt seinen Fuß hin, an dem dann die Verschlussklappe zum erliegen kam. Weitere dramatische Szenen ereigneten sich auf dem Rückweg jedoch nicht.
Da wir relativ früh wieder in Beijing ankamen, nutzen wir die Zeit und fuhren zum Olympiapark. Dort werden abends die beiden berühmten Stadien (das Birdsnest und Schwimmstadion) beleuchtet. Auf dem Platz wurden wir erst mal von verdammt nervigen Straßenhändlern angesprochen die uns Papierdrachen verkaufen wollten. Sie waren so dreist dass sie ihre Drachen immer so lenkten, dass einem sie Schnur mitten ins Gesicht wehte. Wir beherrschten uns jedoch und stampften keinen von ihnen in den Boden. Seit der Olympiade haben die Chinesen nichts mehr an den Stadien getan. Sie nutzen sie zwar leider nicht, aber dennoch könnte man sie ja instand halten. Im Dunkeln konnten wir dann aber doch noch ein paar schöne Bilder knipsen. Ein anstrengender und aufregender Tag ging in einem schönen Ambiente zu Ende. Am nächsten Tag sollten wir unseren Weg nach Qingdao antreten. Im Hotel angekommen fielen wir halb tot ins Bett...
Damit neigt sich unsere Beijing-Berichterstattung dem Ende zu. Nun wird es in Qingdao weiter gehen. Wir haben hier schon so einiges erlebt...
So far...
Keno und Marvin








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