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| Wolkenverhangender Everest |
Am zweiten Tag ging es genau so früh weiter in Richtung Everest. Vor uns lag fahrerisch noch die der aufregendste Teil der Strecke. Die letzten 100km ging es mehrere Stunden über unbefestigte Straßen. Hinzu kamen ein Hochpass, den man über unzählige schleifen erklimmen und zu guter Letzt wieder hinabfahren musste. Beim betrachten des Abgrundes (es gab nur knöchelhohe Betonabgrenzungen alle 5-10 Meter) wird einem schon recht mulmig. Z.T. waren auch immense Teile der Straße abgesackt so dass riesige Löcher entstanden und die Straßen (wenn man sie denn so nennen kann) einspurig waren. Unser Fahrer war jedoch schon ein alter Hase und fährt die Strecke schon länger als es uns schon gibt, von daher hatte er unser vollstes Vertrauen. Was verwunderlich war, dass sogar kleinere Reisebusse die Strecke fuhren. Man erkannte sie leicht an den riesigen Staubwolken die sie auf der schotterstrecke hinter sich produzierten. Zum Schluss nahm unser Fahrer dann noch eine Abkürzung die nicht jeder Fahrer und erst recht kein Bus nehmen kann. Es ging quer durchs Gelände. Der Wagen knarzte und neigte sich bedenklich von der einen auf die andere Seite. Wir wurden gute zwanzig Minuten durchgeschüttelt und konnten uns den einen oder anderen adrenalinversetzen Lacher nicht verkneifen. Es war definitiv die extremste Geländefahrt die wir bis dahin hatten.
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| Das Basecamp |
Am Nachmittag erreichten wir dann das Basecamp. Es war ein großes, hufeisenförmiges Areal das überwiegend aus „Hotelzelten“ bestand. Als wir ausstiegen war es erstaunlicherweise gar nicht mal so kalt, so dass wir keine Jacke brauchten. Wir legten unsere Sachen im Zelt ab, bekamen einen Tee und machten uns danach auf unsere erste Erkundungstour Richtung Everest. Leider war der Everest wolkenverhangen weswegen wir ihn nicht komplett sehen konnten. Obwohl wir nur eine Stunde unterwegs waren merkte ich, dass das Laufen in dieser Höhe schon bedeutend anstrengender für mich war als noch in den anderen Städten. Als wir zurück waren gab es erst einmal eine Stärkung. Frisch gekocht im Nachbarzelt. Jigme unser eigentlicher Guide (wir hatten zwei) kam dann rüber und machte uns darauf aufmerksam das der Everest nun komplett zu sehen ist. Schnell stürmten wir raus und bemerkten direkt wie schnell es am Everest kalt war. Wir bereuten wir, dass uns keine Handschuhe gekauft hatten. Schon nach wenigen Minuten fotografieren schmerzten unsere Finger. Belohnt wurden wir dann aber mit einem Wunderschönen Ausblick auf den Everest in rotgoldener Abendsonne. Zu guter letzt bekamen wir dann noch die Möglichkeit auf einem Yak zu reiten, wobei das Tier schon an leichter Altersschwäche leidete wie wir vermuteten da es sichtlich nicht wirklich begeistert war uns Europäer auf dem Rücken zu haben.
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| Marvin auf dem Yak |
Die Nacht gestaltete sich dann wie folgt. Die Zeltwirtin feuerte ordentlich das Zelt mit Yakdung (richtig, das was hinten aus dem Yak so raus kommt, gut getrocknet, brennt ganz gut, riecht aber etwas beim verbrennen) an. In der Mitte des Zeltes gab es einen Ofen der als Feuerstelle zum Kochen und als Heizung diente. Es roch alles etwas rauchig und eine Dusche hätte uns auch sicherlich gut getan, aber wir waren ja jetzt richtige Abenteuer und die stinken halt manchmal auch ein wenig :P. Um uns auch innerlich zu wärmen gab es ein paar Bierchen die uns auch das einschlafen erleichtern sollten. Jigme kam ebenfalls herüber. Es gab eine tiefgehende Diskussion über die Rolle Chinas und die Unterdrückung des tibetische Volkes.
Es ist schon krass wenn man sich vorstellt sein eigenes Land in seinem gesamten Leben nie verlassen zu können. Tibet ist zwar wunderschön, aber niemand dort hat jemals ein Meer oder einen Strand gesehen. Da Tibeter keinen Pass von China bekommen ist es so gut wie unmöglich für sie jemals ihr Land verlassen zu können, soviel dann zur „Befreiung von Tibet durch China“ die in naher Zukunft ihren 50sten Geburtstag feiert.
Wir legten uns zu Bett, jeder von uns hatte 3 dicke Decken, eine als Bettauflage, die anderen zum zudecken. Unsere Kleidung ließe wir trotzdem an, zum einen weil es einfach zu kalt war, zum anderen rochen die Decken alle ein wenig rauchig und muffig nach nennen wir es „Land“. Wir realisierten schnell, dass das Bier ordentlich auf die Blase drückte. Sprich... Jacken und Schuhe wieder an, das warme Bett verlassen und raus in die Arktis. Die Minusgrade die nun herrschten drangen binnen Sekunden durch unsere Kleidung und durchkühlten uns. Ein weiteres mal bereuten wir, keine Handschuhe gekauft zu haben. Zurück im Zelt behielt ich die Jacke an und legte mich mit ihr schlafen und hoffte nur das es bald wärmer wird.
Das weitaus größere Problem war aber die Höhenkrankheit die nun bei mir zuschlug. Erst im Zelt bemerkte ich das die erhöhten Anstrengungen im Grunde darin lagen. Immer wenn ich einnickte bemerkte ich selber wie ich einschlief, wurde sofort wach, hatte Herzrasen und war außer Puste. Nach mehreren versuchten machte sich Panik bei mir breit. Alle anderen schliefen tief und fest, ich war jedoch auf 5200m gefangen und konnte kein Auge zumachen. Das Herzrasen war zum Teil so intensiv, dass ich schon befürchtete, einem Herzinfarkt zu erliegen. Da ich auch nicht mehr liegen konnte setzte ich mich hin. Mittlerweile war es kurz vor 2 Uhr morgens. Ich saß bis kurz nach 4 auf dem Bett bevor ich mich entschloss es noch einmal zu versuchen. Nach mehreren Anläufen überwiegte dann die Müdigkeit und ich schlief ein. Für mich war diese Nacht definitiv die schlimmste meines Lebens.
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| Everest in der Morgensonne |
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| Die besagte Anhöh |
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| Unsere Gebetsfahne |
Nach getaner Arbeit ging es dann zurück zum Zelt, Sachen packen, Postkarten vom höchsten Briefkasten der Welt schicken und den Wagen beladen. Der Rückweg war der identische Hinweg mit dem Unterschied, dass wie diesmal Regenwetter hatten. Die Wolkenkonstellationen und der Regen erzeugten eine vollkommen andere Atmosphäre als auf der Hinfahrt. Am zweiten Tag erreichten wir den Flughafen, verbrachten vorher noch einige Zeit in einem Teehaus (Geheimtipp unseres Fahrers) und genossen tibetischen Milchtee. Danach bestiegen wir den Flieger nach Chengdu. Tibet war schon gigantisch und war definitiv ein Highlight meines Aufenthaltes in Asien. Ein Wunderschönes Land das ich liebend gern (trotz Höhenkrankheit) bereisen möchte.Sorry das ich mich so lang nicht gemeldet habe, aber hatten viel um die Ohren, Klausuren, viele Goodbye Veranstaltungen und Reisevorbereitungen. Muss jetzt auch Schluss machen, gleich geht mein Flieger nach Phuket ;) Werde jetzt aber wieder fleißiger schrieben und versuchen meine Erlebnisse schnell wieder up2date zu bringen.
Bis dahin liebe Grüße an die Heimat...
Marvin
Zum Schluss noch ein paar Bilder um unsere Eindrücke wiederzugeben...
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| Hier noch mal die Aussicht vom Camp aus... einfach nur gigantisch |
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| Heiliger See mal in einem anderen Licht |
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| Unser Fahrer (definitiv ein cooler Typ) und unser second Guide |









