Mittwoch, 27. April 2011

Boahr, Lhasa ey!

Wie soll ich anfangen? Wir sind nun endlich an unserem Traum Ziel angelangt, ok Mt. Everest ausgenommen, aber wir haben es geschafft. Lhasa hat ein eigentümliches aber irgendwie verzauberndes Flair. Möglicherweise liegt es daran das Tibet ein heiliges Land ist, ich weiß es nicht. Lhasa liegt auf ca. 3450m in einem Talkessel umgeben von Schnee bedeckten Bergen. Mitten in der 500.000 Einwohner großen Stadt erhebt sich der majestätische Potalapalast. Ein wirklich atemberaubendes Panorama.

Nachdem wir von unserem Guide am Bahnhof abgeholt und zu Hostel gebracht wurden, ging es auf einen ersten Erkundungsgang. Unser Weg führte uns in das Barkhor-Viertel, in dessen Zentrum befindet sich eines der wichtigsten tibetanischen Heiligtümer, der Johkang-Tempel. Um diesen Tempel gibt es viele kleine Gassen und eine breite Pilgerstrasse, die von unzähligen Souvenir- und Devotionalienhändlern gesäumt wird. Hier treffen Touristen, Mönche und Pilger auf einander. Ein unglaublich lebendiges Treiben herrscht hier. Überschattet wird dieses friedliche Treiben jedoch von der massiven Militär- und Polizeipräsenz. An allen öffentlichen Plätzen, Straßenkreuzungen oder Heiligtümern patrouillieren schwer bewaffnete Soldaten. Die chinesische Regierung hält Tibet in einem Würgegriff aus willkürlichen Passkontrollen, Schikanen, Konsum und Prostitution. Dies ist die andere Seite von Lhasa. Und trotzdem lassen sich die Einwohner dieses Landes nicht unterkriegen und leben ihr Leben auch unter diesen Umständen.

Unser Guide führte uns dann noch in ein gemütliches kleines Restaurant in dem wir unser erstes Yak-Steak bestellten. Ein wirklich delikate Angelegenheit, dazu gab es dann auch noch die besten Pommes die wir seit langem gegessen haben. Schon merkwürdig, da muss man bis auf das Dach der Welt fahren um gute Fritten zu bekommen.
Am nächsten Tag ging es dann zum Norbulinkha, dem Sommerpalast des Dalai Lama. Dieser ist nur einige Kilometer von unserem Hostel entfernt und ist eine große Parkanlage mit kleinen „Palästen“. Hier befindet sich auch der Sommerpalast des derzeitigen, 14. Dalai Lama. Insgesamt ist die Parkanlage etwas verramscht, denn an jeder Ecke wird irgendetwas umgegraben oder aufgerissen. Aber trotzdem kann man sich der besonderen Spiritualität dieses Ortes nicht entziehen und verfällt in ein ehrwürdiges Schweigen beim begehen der Analage. Hier befindet sich auch eines der seltenen Bilder des 14. Dalai Lama, eigentlich ist die Darstellung durch der chinesischen Regierung verboten. Warum ausgerechnet hier ein Bild vorhanden sein darf, konnte uns auch unser tibetischer Guide nicht erklären.

Von hier aus machten wir uns auf den Weg zu den 1000 Gesichtern Buddhas, einer Felswand mit tausenden bunten Buddha Ikonen. Dieses Heiligtum liegt ein klein wenig abseits der Hauptstrasse und ist bei den Touristen ehr unbekannt. So war es nicht sehr verwunderlich das wir hier nur betende Tibeter vorfanden, die uns teilweise neugierig oder argwöhnisch beobachteten. Nach einer Runde um die Stupa mit ihren vielen Gebetsmühlen und einigen Gebeten, machten wir uns auf den Weg ins Barkhor-Viertel. Hier besuchten wir den Johkang-Tempel mit seinen vielen Buddhas, Boddishatvas und andern heiligen Figuren. Auch hier opferten wir den Heiligen und beteten für unsere Lieben zu Hause. Danach stand dann schnödes Souvenirschopping an. Leider wird der Souvenirmarkt durch viele billige chinesische Produkte überflutet und macht es sehr schwer ein einigermaßen authentisches Tibet Souvenir zu erstehen. Nach vielem Feilschen und einem ordentlichen Sonnenbrand ging es dann zurück ins Hostel zum Abendessen. Später am selben Abend wollten wir noch zum Potalapalast um Fotos zu machen. Aber als wir dort ankamen reichte es gerade einmal für 2-3 Fotos und einer Ermahnung durch die Ordnungshüter, weil Marv ein Foto im liegen schießen wollte und schon wurde die Beleuchtung ausgeknipst. Nur das chinesische Denkmal für die „Befreiung“ Tibets war noch beleuchtet. Blanker Hohn in unseren Augen. Mit diesem sehr zwiespältigen Eindruck ging es dann zurück ins Hostel.

Morgen geht es dann in den Potalapalast und vielleicht auch noch ein Kloster. Freitagmorgen beginnt dann unsere Reise zum Mount Everest, wir sind schon total aufgeregt und gespannt.

Bis bald,

Keno und Marvin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen